Der Musikstil und die in den Texten angesprochenen Sichtweisen in Bezug auf die von uns erlebte - und auf bestimmte Weise wahrgenommene - Umwelt, sind nicht zu trennen. Olafs Erfahrungen mit den Blaggers aus London und die Nähe zur SHARP-Bewegung ("Skinheads against racial prejudice" also Skinheads gegen rassistische Vorurteile) liessen gleich eine offen nach Aussen getragene antifaschistische Haltung erkennen.

Die Auseinandersetzung mit den Nazis wurde bereits von jedem von uns vor der Gründung der Stage Bottles betrieben. So gibt es nach wie vor eine kritische Nähe zur Antifa in England und Deutschland, wobei die Stage Bottles sich niemals einer politischen Organisation zugeschrieben haben. Innerhalb der Band gibt es allerdings Tendenzen, die deutlich ausschliesslich nur in die linke Ecke gehen.

Warum wir dieses Thema Politik so deutlich ansprechen ? Mit den Stage Bottles wurde immer etwas politisches verbunden und so ist es auch heute noch. Die Stage Bottles sind nicht unpolitisch und drücken so ihre Lebenshaltung politisch aus. Sobald man Lebensumstände und Erlebnisse kritisch betrachtet, wird man politisch, wenn man nicht oberflächlich werden möchte.

Skinhead, und Punkrock insbesondere, aber auch andere Subkulturen, sind aus politischen Umständen, sei es eine Wirtschaftskrise oder die persönliche Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse,aber auch die Wahrnehmung imperialistischer Kriege usw., geboren worden. Warum sollte man diesen Ursprung leugnen und sich nicht entsprechend engagieren und dazu äussern. Ein "Way of life" kann keine Komponenten, die einem persönlich im Leben begegnen und berühren, ausschliessen.

Wir glauben nicht daran, dass es einen bereits gefundenen Königsweg zum gesellschaftlichen Glück gibt, dennoch ist unserer Meinung nach völlig klar, dass man sich ein gewisses Mass an Freiheit immer erkämpfen muss, der jeweiligen Situation entsprechend. Wenn dabei sozialistische oder andere Argumentationszüge auftauchen, so soll es uns egal sein, hauptsache wir empfinden es als richtig, egal wie man es nennt. Wir gehen auch zweifellos davon aus, dass der sogenannte Kapitalismus der Ursprung des Grossteils von Unrecht und Leid auf der Welt ist. Und da wir Respekt vor der Menschheit an sich haben, allerdings nicht vor dem, was die Menscheit teilweise anstellt, interessieren wir uns für Alternativen, und versuchen, andere aufzuwecken, anzusprechen und zu interessieren, auch damit wir nicht allein dastehen.

Dies ist allerdings nicht der einzige Punkt, den wir in der Band für deren Existenz für wesentlich halten. Der Spass darf auf keine Fälle zu kurz kommen. Die Form des Spasses ist der jeweiligen Umwelt angepasst, so dass unser Spass in unserer heutigen Zeit manchmal etwas exzessiver und derber ausfällt. Es gehört zu gewissen Aktivitäten auch dazu, wahrgenommen zu werden, so wie auf der Bühne, im Fussballstadion oder auf einer Demo. Aber Spass ist der Sinn des Lebens, und der wird grösser, wenn gewisse spassbremsende Elemente beseitigt worden sind. Die Stage Bottles sind aus einem grossen Freundeskreis in und um Frankfurt entstanden, der zunächst nur der antifaschistischen Skinheadszene und der Punkszene entsprang. Vorwiegend allerdings ersteres.

Wir waren in Frankfurt, neben Kumpels aus Berlin, die Stadt, die SHARP als Rettung der ursprünglichen Skinhead-Kultur begann aufzubauen, da uns die Ursprünge der Skinhead-Kultur, gepaart mit dem Punkrock in Form von Oi!, faszinierten. Unser erstes feindliches Gegenüber waren die staatlichen Autoritäten, wie die Cops, oder eben diese verschissenen Typen, die genauso aussahen wie wir ( und leider immer noch so aussehen, nur stilloser) und dazu noch eine Gattung der wohl grössten Arschlöcher der Menschheitsgeschichte repräsentieren, also die sogenannten Boneheads; faschistische, rassistische Idioten ausstaffiert wie Skinheads.

Auch die Besuche von Fussballspielen provozierten und provozieren das Aufeinandertreffen mit diesen Typen heraus, sei es im eigenen Verein oder bei den Gegnern. Mit antifaschistischen Engagement kamen auch zahlreiche direkte Erfahrungen mit den Nazis hinzu, so dass die Front gegen Rechts immer verhärteter wurde. Mit den Blaggers aus England und Comrade aus Belgien, und mit dem Berliner Fanzine Skintonic (später Skinup) lernte man kennen, was es heisst, in der Öffentlichkeit zu seiner Lebenseinstellung zu stehen und diese öffentlich offensiv zu verteidigen. Diese Erfahrungen werden in die Lyrics der Stage Bottles bewusst einbezogen.Die Band trat und tritt oft auch durch Reaktionen gegenübr der Band gewissen Leuten eher aggressiv entgegen. Dies liegt auch an diversen Drohungen, die oft im Vorfeld der Konzerte erfolgen, oder auch vereinzelt - zum Glück noch nicht erfolgreich - an deren versuchter Umsetzung. Dank des grossen und engen Umfeldes, dass die Band nun teilweise schon die ganzen 11 Jahre begleitet, besteht allerdings auch in Zukunft wenig Gefahr, dass es zu ernsthaften Problemen kommt. Im Gegenteil, wir freuen uns, wenn die "Römer" zu uns kommen!

Dies ist ohnehin ein weiterer sehr wichtiger Aspekt der Stage Bottles: Unsere Freunde sollen immer an dem Spass der Band mit teilhaben können - die Band ist nur zufällig die Band. Diese Haltung gilt auch auf Konzerten. Unsere Haltung ist es, mit vielen verschiedenen Leuten, die unsere Lebenshaltung teilen, viel Spass zu haben, etwas zu bewegen und dabei auch unsere Freiräume offensiv zu verteidigen. Auch ist es uns sehr wichtig mit welchen Konzert-Veranstaltern wir zusammenarbeiten, welche Tonträger-Label unsere Songs veröffentlichen und welchen Fanzines wir Interviews geben. Wir geben auch Soli-Konzerte, allerdings auch hier nur, wenn alles korrekt abläuft und es auch Sinn macht.

Auch die Fussballvereine, für die wir auftreten (Fortuna Düsseldorf, Kickers Offenbach, Eintracht Frankfurt, FC St. Pauli, im April 2004 allerdings auch für den FC Bayern, doch da spielt der Hintergrund der Fans die Hauptrolle) sind nicht beliebig, wobei wir da innerhalb der Band schmerzliche Kompromisse machen müssen.

Mittlerweile muss man feststellen, dass sich unsere Hörerschaft aus vielen verschiedenen Spektren der Subkultur zusammensetzt. Zum anderen hat sicherlich auch unsere konsequente Haltung über all die Jahre hinweg dazu geführt, dass unser Umfeld nicht unwesentlich von ehemaligen Feinden bereichert wird, die mittlerweile älter geworen sind und sich geändert haben. Wir sind stolz, dass sich auf unseren Konzerten Skinheads, Punks, Freunde der Dritten Halbzeit verschiedener Vereine, Psychobillies und viele andere Interessierte und Fans einfinden. Die Freunde von Hooligan Streetwear sponsorn uns. Es gibt eine grundlegende Lebenshaltung, die gewisse Subkulturen verbindet. Gerade in letzter Zeit vermischen sich die Szenen immer mehr, auch musikalisch, doch was zählt sind die gemeinsamen Grundwerte und Haltungen zur Aussenwelt, nicht die Unterschiede (schon mal gar nicht Fussballvereine). Es müssen nicht alle gleich sein, das wäre langweilig und ist zudem utopisch, es können auch nicht alle die Stärksten sein, dann würden wir uns zerfleischen. Doch auch nach der Revolution, so sie denn kommt, muss und kann nur Vielfalt herrschen, aber auch dann werden wir - wie jeder Einzelne - unsere Ursprünge nie leugnen können.....

Aufs "schlagwortartige" kann man sagen, dass wir Nazis hassen - auch jedes sonstige Arschloch, unsere Freunde, den Fussball und den Punkrock lieben und unser Leben leben, so wie wir es am sinnvollsten finden unter den momentanen sozialen Verhältnissen! Dies klingt logisch, ist notwendig, um persönlich überleben zu können, und es ist ein ewiger Kampf, den man vermutlich in einem Leben nicht gewinnen kann, wodurch man aber dennoch wichtige Dinge gewinnen kann!